Mit 90 Jahren ist Edith Tolle noch beeindruckend fit auf dem Tennisplatz. Bei den 71. Deutschen Tennis-Seniorenmeisterschaften (DSM) ist sie die älteste Dame der DSM. Bei diesen Tennis Classics in Bad Neuenahr wird Edith Tolle zwar nicht mehr der ganz große Coup gelingen, aber sie zeigte in diesen Tagen auf der HTC-Anlage im Lenné- und Kaiser-Wilhelm-Park Anlage eindrucksvoll und deutlich auf: Sie lebt fürwahr fürs Tennisspielen.
Begonnen hat sie den Tennissport bereits 1949 im jungen Alter von 13 Jahren beim TC Blau-Weiß Uelzen. Wie kam’s? „Als ich mitbekam, dass meine Mutter damals den Tennisschläger meines Vaters einem Vereinsmitglied zur Verfügung stellen wollte, habe ich laut nein gesagt“, betonte Edith Tolle mit Nachdruck. Mit dem Tennisschläger habe sie dann „viel lieber selbst, meistens gegen ältere Vereinsmitglieder, gespielt“, erzählte sie schmunzelnd.
Viele Jahre war sie im Farmsener TV Hamburg fester Bestandteil einer Mannschaft. „Im Team habe ich alle Medenspiele mitgemacht – ab 60 habe ich dann so richtig intensiv im Club gespielt“, meint sie. Edith Tolle ist und bleibt eine Institution im Farmsener TV. In der Tennisabteilung gilt sie als gute Seele und Vorbild zugleich. Ein Ausrufezeichen, eine Wertschätzung der besonderen Art setzte der Farmsener TV zuletzt erst: In Würdigung ihrer Leistungen wurde Platz 1 auf der Tennisanlage der Farmsener offiziell in Edith-Tolle-Platz umbenannt.
Ihre Leidenschaft für den Sport ist bis heute ungebrochen. Doch sportlich fände sie im Farmsener TV heute kaum mehr Partner, „die mit mir auch mal ein Einzel spielen wollen“. In Bad Neuenahr sei’s natürlich ganz anders, erklärt sie: „Hier muss jeder in der Altersklasse im Einzel gegen mich antreten, und das macht mir sehr viel Freude“. Wie kam es überhaupt dazu, dass Edith Tolle den Weg zu einer DSM nach Bad Neuenahr fand? Rückblick: „Normalerweise ist es ja so, dass Eltern ihre Kinder anmelden. Bei der Anmeldung von Edith Tolle zur 70. DSM war’s anders“, schmunzelte Turnierdirektorin Bartsch und erzählt weiter: „Da klingelt eines Tages im Büro des HTC Bad Neuenahr das Telefon. An der ,Muschel’ war Alexander Tolle und sagte, er möchte gerne seine Mutter zu den Tennismeisterschaften anmelden.“ Als Sohn Alexander dann seiner Mutter von der Turnieranmeldung zur „Deutschen“ in Bad Neuenahr erzählte, so Edith Tolle, sei sie fast aus allen Wolken gefallen. „Ich habe ihm gesagt, nein, das gibt‘s doch gar nicht, ich bin viel zu alt dafür. Und als ich hörte, dass es sich um die deutsche Meisterschaft handelt, dachte ich mir, du fällst gleich in Ohnmacht.“
Bei der 71. Auflage der DSM steht Edith Tolle in der Altersklasse 85 (AK) auf dem Platz. Nicht ohne Grund eine Klasse tiefer, denn in der Altersklasse 90 ist sie in diesem Jahr konkurrenzlos. Will heißen: Im Tableau AK 90 ist keine Spielerin notiert. Auch wenn sie gleich ihre ersten Matches in der AK 85 verloren hat und sich dann auch dieser Tage aus dem Turnier (sportlich) verabschieden muss, bereut hat sie die Teilnahme an der 71. Deutschen Meisterschaft mitnichten. Im Gegenteil: Der Sport halte sie vielmehr gesund und munter, meint Edith Tolle: „Ich muss auch sagen, hier ist es besonders nett, alle sind hier sehr, sehr freundlich und hilfsbereit – ich spiele sehr gerne hier und die Atmosphäre ist sehr, sehr gut“, machte sie damit in der Tat deutlich, dass Tennissport keine Altersgrenze kennt.